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Aktuelles

Siedlungsbau mit Zukunft

 Vortrag Gnaiger 2 2015

Gerade in den letzten Jahrzehnten nahm die Zersiedelung des Umlandes von Gemeinden und Städten enorme Ausmaße an. Wie noch nie zuvor wurden in kürzester Zeit gigantische Flächen verbaut – größtenteils ohne Plan und Zukunftsvorschau. Daraus ergeben sich zahlreiche Probleme, mit denen sich die Bürgerliste für Ebensee (BÜFE) bereits lange beschäftigt. Es war uns daher eine große Freude und auch Ehre Roland Gnaiger, Leiter der Abt. Architektur an der Kunstuniversität Linz und einer der renommiertesten Architekten Österreichs, für einen Vortrag zu diesem wichtigen Thema gewinnen zu können. Im voll besetzten Trauungssaal erklärte er dem interessierten Publikum eindrucksvoll und für alle verständlich die Nachteile dieser Zersiedelung, aber auch mögliche Alternativen.

Durch den exzessiven Siedlungsbau mit freistehenden Ein- oder Zweifamilienhäusern wird unverhältnismäßig viel Grund und Boden verbraucht. Ein Nachteil liegt auf der Hand und ist bereits jetzt für alle spürbar – die Grundpreise explodieren inzwischen auch im ländlichen Bereich und werden für große Bevölkerungsteile schlicht unbezahlbar. Die große Entfernung zu den Ortskernen und räumliche Ausdehnung bringt den Gemeinden enorm hohe Infrastrukturkosten für Straßenbau und Erhaltung, Kanal, Wasser, Schneeräumung und vieles mehr.

Die weitflächige und doch dünne Besiedelung lässt keine effektiven und kostengünstigen Nahverkehrsmöglichkeiten zu. Der Verkehr zwischen Umland, Zentrum, Arbeitsplätzen, Freizeit und Einkauf erreicht Dimensionen, welche die einstige „Flucht in die Ruhe“ wiederum ins Negative kehren. Die Ortszentren veröden aufgrund des Durchzugsverkehrs, immer mehr Parkplätze werden benötigt. Das Privatauto wird zur einzigen Möglichkeit, die nunmehr weit verstreuten Bezugspunkte im täglichen Leben zu erreichen.

Neubausiedlungen sehen überall so gut wie gleich aus. Selbst bei größter Individualität der einzelnen Bauten bleibt der Gesamtdruck uniform und austauschbar. Dadurch verlieren Gemeinden und ganze Regionen ihre Identität. Gemeinsam mit der sinkenden Bedeutung der Ortskerne ein wahrer Teufelskreis.

In vielen ehemaligen Neubausiedlungen gibt es bereits das Problem der Überalterung. Ältere Menschen sind mit dem Erhalt und der Pflege ihrer Grundstücke und Gebäude überfordert, das einst so geliebte Haus wird zur großen Last. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Häuser für die Nutzung jüngerer Familien geplant und gebaut wurden. Nur wenige Jahrzehnte später ist diese Planung hinfällig, das Gebäude ist für die neuen Lebensumstände nicht mehr geeignet.

Roland Gnaiger fordert daher die politisch Verantwortlichen und Bauherren auf, endlich umzudenken. Der Wunsch der Menschen nach eigenem Wohnraum mit entsprechenden privaten Räumen – sowohl innen als auch außen – ist verständlich und soll auch nicht abgesprochen werden. Das alleinstehende Einfamilienhaus ist jedoch dafür künftig keine Lösung mehr. Intelligenter verdichteter Wohnbau bietet mehr Privatheit und Rückzugsmöglichkeiten als der erste Blick vermuten lässt. Der individuelle Bereich wird optimal geplant und genutzt, dazu entstehen auf kleiner Fläche öffentliche Räume. Diese lassen das Erleben der eigenen, wann immer gewünschten Abgeschiedenheit erst richtig zu. So können Wohnviertel mit eigener Identität und Wohlfühlcharakter entstehen, die wesentlich weniger Fläche verbrauchen, weniger Allgemeinkosten verursachen und vor allem für alle leistbar bleiben. Eine neue Qualität des Wohnens entsteht, die sowohl den Wunsch nach Privatheit als auch nach Gemeinsamkeit erfüllen kann.

Durch diese Verdichtung erhalten Gemeinden auch eine Chance für die Installierung eines effektiven und attraktiven Nahverkehrs. Das eigene Auto ist nicht mehr ein Muss für sämtliche Wege. Damit verringert sich die finanzielle Belastung für die Bevölkerung, der Verkehr nimmt ab, das Wohnen wird auch tauglich für Kinder und Senioren.

Roland Gnaiger untermauerte dies mit zahlreichen Beispielen. Ob in Bizau (Vorarlberg) oder in Puchenau bei Linz (Gartenstadt von Roland Rainer) – es gibt den „Weg dazwischen“. Wohnformen zwischen Einfamilienhaus und Geschoßwohnbau, wo sich Menschen wohlfühlen, die leistbar sind und sich flexibel den sich rasch ändernden Lebenswelten und Notwendigkeiten von Jungen, Familien und Älteren anpassen.

 

Das Freie Radio Salzkammergut hat Roland Gnaiger zum Vortrag interviewt. Sollten Sie die Sendung verpasst haben, können Sie das Interview hier nachhören:
Podcast Interview Roland Gnaiger (FRS)