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Wohnen gestern, wohnen morgen

Vortrag Gnaiger 2015

Am Papier verpflichten sich die meisten Gemeinden zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Grund und Boden, in der Praxis ist die Verfügbarkeit von (möglichst günstigen) Baugründen am wichtigsten - in der Regel für den Bau von freistehenden Einfamilienhäusern. Bei jeder Überarbeitung des Flächenwidmungsplans werden große Grünflächen in Bauland umgewidmet oder als Bauerwartungsland festgelegt. Wertvoller landwirtschaftlicher Grund und Boden verschwindet und ist für nachfolgende Generationen unwiederbringlich verloren. Die Zersiedelung und Aufschließung abgelegener Gebiete bringt Nachteile sowohl für die Gemeinde (hohe Kosten für Infrastruktur, höheres Verkehrsaufkommen, etc.) als auch für die Häuselbauer selbst, vor allem wenn sie älter werden und neben der drohenden Vereinsamung auch zunehmende Überforderung mit Schneeräumung, Pflege der Grünflächen u.ä. auf sie zukommt.

Der Wunsch nach einem eigenen Haus mit Garten ist verständlich, da Mietwohnungen finanziell und hinsichtlich ihrer Attraktivität oft keine Alternative darstellen. Viele Menschen werden jedoch aufgrund ihrer Einkommenssituation nie die Möglichkeit haben, ein eigenes Haus zu bauen, sie sind auf Mietwohnungen angewiesen. Und müssen nehmen, was sie kriegen - ohne Rücksicht auf Details wie Attraktivität der Wohnung, ansprechende Grünflächen, Familienfreundlichkeit etc.

Gemeinden, in denen es viel Zuzug gibt, der Grund knapp ist, oder die politisch Verantwortlichen visionärer sind als anderswo, müssen andere Wege finden. Die BÜFE macht sich daher auf die Suche nach dem „Weg dazwischen“ — welche Möglichkeiten hat eine Gemeinde, attraktives Wohnen zwischen Einfamilienhaus und Wohnblock zu forcieren? Es gibt viele Beispiele, wie Siedlungsbau familienfreundlich, zukunftstauglich, kosten- und flächensparend aussehen kann. Um solche Beispiele kennen zu lernen, konnte die BÜFE einen der ganz Großen der Österreichischen Architekturszene nach Ebensee holen und lädt herzlich ein zu:

ROLAND GNAIGER
WOHNEN GESTERN, WOHNEN MORGEN
VORTRAG
22. OKTOBER 2015
GEMEINDEAMT EBENSEE
TRAUUNGSSAAL
BEGINN 19 UHR
Eine Veranstaltung der BÜFE (Bürgerliste für Ebensee)

 

ROLAND GNAIGER (O. Univ. Prof. Mag. Arch. DI.)
Geboren 1951 in Bregenz, aufgewachsen in Bregenz und im Salzkammergut, seit 1996 Professor und Leiter der Architekturabteilung an der Kunstuniversität Linz.
Gnaiger gehört zu den Pionieren der europaweit beachteten „Vorarlberger Bauschule“. Sein Tätigkeitsfeld war immer sehr breit angelegt. Die klassische Architektentätigkeit wurde laufend durch theoretische Arbeiten und Initiativen zur Architekturvermittlung ergänzt (Artikel, Vorträge und Gutachten, Seminare, Fortbildungsveranstaltungen, Jurierungen, Gestaltungsbeiräte etc.). Seine kritische ORF-Fernsehreihe „Plus/Minus“ (151 Beiträge zwischen 1985 und 1993) ist legendär und hat dem baukulturfreundlichen Klima Vorarlbergs den Boden bereitet. Als Architekt liebt Gnaiger Programmentwicklungen und komplexe Themenstellungen. Seine Bauten und Projekte reagieren sensibel auf den spezifischen Ort und lassen sich durch regionale Besonderheiten und kulturelle Atmosphären inspirieren. Sie stehen für eine Verbindung von Ökologie und Ökonomie, von Kunst und Nachhaltigkeit, zeugen von konstruktiver und ökonomischer Vernunft und erwärmen durch Poesie.
Neben vielen anderen Auszeichnungen wurden Roland Gnaigers Bauten vier Mal mit dem Österreichischen Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs, dem gewichtigsten österreichischen Architekturpreis, prämiert.
Gnaiger ist Beauftragter des Österreichischen Umweltministeriums und Juryvorsitzender des „Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit“, sowie Juryvorsitzender für den Österreichischen LANDLUFT Baukulturgemeindepreis.